Georg Wissowas Religion und Kultus der Römer gehört zu den grundlegenden Darstellungen der römischen Religionsgeschichte. Das Werk untersucht mit philologischer Genauigkeit die Götterwelt, Opferpraxis, Priesterschaften, Feste und Rechtsformen des Kultus und zeigt die enge Verschränkung von Religion, Staat und sozialer Ordnung im republikanischen wie kaiserzeitlichen Rom. Stilistisch verbindet es systematische Gliederung mit quellennaher Argumentation; im Kontext der altertumswissenschaftlichen Forschung des frühen 20. Jahrhunderts steht es für eine historisch-kritische Rekonstruktion römischer Religion jenseits romantischer Verklärung. Wissowa, einer der bedeutenden Klassischen Philologen und Althistoriker seiner Zeit, war durch seine Arbeit an lateinischen Texten, Inschriften und religionsgeschichtlichen Fragestellungen besonders befähigt, ein solches Standardwerk zu verfassen. Seine akademische Prägung im Umfeld der deutschen Altertumswissenschaft erklärt die methodische Strenge des Buches: Es will nicht spekulieren, sondern aus den überlieferten Quellen die Eigenart römischer Frömmigkeit erschließen. Gerade seine Sensibilität für Institutionen und Terminologie macht die Studie bis heute einflussreich. Empfehlenswert ist dieses Buch für alle, die die römische Welt nicht nur politisch, sondern in ihrem rituellen Fundament verstehen wollen. Wer nach einer gelehrten, dichten und dennoch orientierenden Einführung in Wesen und Entwicklung der römischen Religion sucht, findet hier ein unverzichtbares Referenzwerk.