Eine Stadt, die ihre Geschichte in Stein gemauert hat Coburg ist eine Stadt der Fassaden. Fachwerkhäuser, die im Morgenlicht golden schimmern. Ein Marktplatz, auf dem Touristen Selfies vor der Prinzenstatue machen. Und über allem thront die Veste Coburg, jahrhundertealt, ein Wahrzeichen, das Generationen von Coburgern als selbstverständlichen Teil ihres Alltags begreifen. Genau diese Vertrautheit macht die Entdeckung, die Bauarbeiter im Nordflügel der Burg machen, so erschütternd: Hinter einer zugemauerten Nische liegt die Leiche eines Kindes. Kein archäologischer Fund. Kein Jahrhunderte altes Geheimnis. Ein Verbrechen, das jünger ist, als irgendjemand wahrhaben möchte. Kriminalhauptkommissarin Hannah Winter wird mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen. Als sie am Fundort eintrifft, ist die Presse bereits da, Kamerateams drängen sich hinter Absperrbändern, während im Inneren der Burg ein Team der Spurensicherung versucht, mit größtmöglicher Sorgfalt einen Fund zu bergen, der sich binnen Stunden zur landesweiten Schlagzeile entwickeln wird. Hannah kennt diesen Moment. Fünfzehn Jahre bei der Kriminalpolizei haben sie gelehrt, dass die ersten Stunden eines Falls über alles entscheiden - über das, was gefunden wird, und über das, was für immer verloren geht. *Eine Ermittlerin, die zuhört, ohne zu glauben* Hannah ist keine Ermittlerin, die durch spektakuläre Volten auffällt. Ihre Stärke ist eine andere: Sie hört zu, ohne sofort zu glauben. Diese Gabe hat sie einst zur Kripo gebracht - entdeckt von Kriminaldirektor Matthias Dorn, der sie vor fünfzehn Jahren aus dem Streifendienst holte, weil sie bei einer Vernehmung einen Widerspruch bemerkte, den alle anderen übersehen hatten. Seither ist Dorn mehr als ihr Vorgesetzter. Er ist die konstante Stimme am anderen Ende des Telefons, der Mann, der ihr beibrachte, wie man in dieser Arbeit nicht an sich selbst zugrunde geht. Doch dieser Fall wird auch diese Konstante infrage stellen. Denn schon in der ersten Nacht am Fundort stimmt etwas nicht. Der Raum, in dem die Leiche entdeckt wurde, existiert auf keinem aktuellen Plan der Burg. Offiziell gibt es ihn nicht. Und doch trägt die Tür eine alte, handgeschriebene Nummer: 17. *Ein Muster, das sich durch Jahrzehnte zieht* Was als einzelner, tragischer Fund beginnt, entfaltet sich für Hannah rasch zu etwas viel Größerem. Die Ähnlichkeit mit Anna Keller, einem seit fünf Jahren vermissten Mädchen, ist frappierend - Kleidergröße, Haarfarbe, sogar das Kleid selbst s