Die DSGVO setzt primär auf individuelle Datenkontrolle durch Einwilligung und Betroffenenrechte. Dieses Paradigma steht jedoch in Spannung zur Realität informationeller Interdependenz. Daten betreffen regelmässig mehrere Personen oder ermöglichen Rückschlüsse auf andere. Damit stösst das individualistische Schutzmodell an strukturelle Grenzen. Eine blosse Stärkung individueller Kontrolle genügt daher nicht. Als tragfähigere Grundlage erweist sich das Paradigma der verantwortungsvollen Datenverarbeitung, das Schutz durch Pflichten der Verantwortlichen vermittelt und damit nicht vom Tätigwerden der Betroffenen abhängt. Ein interdependenzsensibles Datenschutzrecht erfordert jedoch eine Weiterentwicklung hin zu einer partizipativen Datenordnung, die etablierte Verfahren für weitere Betroffenheiten und verteiltes Wissen öffnet.